Archiv der Kategorie: Gesellschaft

[Aufruf] Prozess gegen 14 Neonazis wegen Gewaltattacke in Ballstädt beginnt.

Zum Beginn des „Ballstädt-Prozesses“ ruft die Antifaschistische Koordination Erfurt [ake] zu einer Kundgebung am Mittwoch um 9.00 Uhr vor dem Landgericht Erfurt auf. Dort müssen sich 13 Männer und eine Frau wegen eines Überfalls auf Mitglieder der Kirmesgesellschaft im thüringischen Ballstädt verantworten.

Bei der Gewaltattacke in Ballstädt im Landkreis Gotha hatten am frühen Morgen des 9. Februar 2014 etwa 15 teils vermummte Neonazis eine Feier der Kirmes-Gesellschaft gestürmt, zehn Menschen teils schwer verletzt und in den Räumen erheblichen Sachschaden angerichtet. Eine Woche nach dem Überfall waren vier Männer und eine Frau festgenommen worden, der einschlägig vorbestrafte Thomas Wagner, Frontmann der Rechtsrock-Band „Sonderkommando Dirlewanger“ (SKD), kam nach kurzer Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß. Die Staatsanwaltschaft Erfurt wirft ihm und weiteren 13 Beschuldigten vor, sie hätten mit Waffen und anderen gefährlichen Werkzeugen gemeinschaftlich andere Personen misshandelt. Außerdem steht der Vorwurf des gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs im Raum.

Wagner war 2013 in die ehemalige Bäckerei in Ballstädt gezogen, die der Neonazi André K. mit Steffen Mäder aus dem Umfeld der Band SKD gekauft hatte. Mäder aber wurde in Österreich wegen Beteiligung am extrem rechten Netzwerk O21 zu knapp vier Jahren Haft verurteilt, er befindet sich inzwischen wieder auf freiem Fuß. Die Rechtsrock-Band, deren Name schon ein offenes Bekenntnis zum Nationalsozialismus ist und die auf den Covern ihrer Tonträger mit dem Hakenkreuz kokettiert, war 2005 gegründet worden und ist unter anderem auf Veröffentlichungen der verbotenen „Division Deutschland“ des militanten Netzwerks „Blood & Honour“ vertreten. Vor dem Umzug nach Ballstädt hatte die Band ihren Schwerpunkt in einem Haus im 30 km entfernten Crawinkel, das daraufhin zum Ort für Neonazi-Konzerte und –Feiern wurde. Die Gruppierung fiel seit 2012 immer wieder durch gewalttätige Aktionen auf: vor einem linksalternativen Hausprojekt sollen Mitglieder eine „Kugelbombe“ gezündet haben, für ein Foto unter dem Titel „NSU Reloaded“ posierten sie mit Waffen.

Aus diesem Umfeld stammt der Großteil der jetzt im Prozess beschuldigten Personen, die teils seit vielen Jahren in der rechten Szene aktiv sind und Verbindungen bis hinein in militante neonazistische Strukturen haben. Der Prozess beginnt am 2.12. 2015 um 9.30 Uhr im Saal 1.42 des Landgerichts Erfurt. Um den Neonazis nicht den Prozess als Bühne zu überlassen, ist es wichtig, die Betroffenen im Gericht auch durch eine breite Präsenz von solidarischen ProzessbesucherInnen zu unterstützen.

Redebeitrag der [ake] am 7.10.2015 auf der Demonstration gegen die AFNPD in Erfurt

Bereits zum vierten Mal müssen wir heute gegen die selbsternannte Alternative für Deutschland, Neonazis und zahlreiche extrem rechte Hooligans demonstrieren.
Seit dem 16. September rotten sie sich jeden Mittwoch zusammen, um rassistische Stimmungsmache gegen Flüchtlinge zu betreiben. Und bislang kam es an jedem Mittwoch am Rand des Aufmarschs zu Übergriffen und Gewalttaten auf Andersdenkende. Die AfD hingegen fabuliert, inakzeptable Parolen oder Verhaltensweisen seien bereits vor Beginn der Veranstaltung von der Demonstrationsleitung ebenso untersagt worden, wie der Anschluss von extremistischen Trittbrettfahrern. Dabei waren bislang bei allen Aufzügen Parolen und Ausrufe zu hören wie „Judenpack“, „wer Deutschland nicht liebt soll Deutschland verlassen“ oder „ich schneide dir den Kopf ab“.
Fahnen und Transparente extrem Rechter Organisationen und Kontexte strafen Höcke und Co zudem Lügen.

Zur Klarstellung wollen wir einige Beispiele der vergangenen Wochen nennen:

Vertreter der „Europäischen Aktion“ mit Fahnen, ein weit vernetzter Dachverband von Holocaustleugnern, der seit Beginn des Jahres seine Aktivitäten in Thüringen deutlich gesteigert hat.
Fahnen und Banner der „Identitären Bewegung“, die in Thüringen vom ehemaligen NPD-Aktivisten Kevin Schulhauser angeführt wird. Dabei handelt es sich um organisierte extrem rechte Gruppen, die das völkische Konzept eines „Ethnopluralismus“ propagieren.
Vertreter der Splitterpartei „Die Rechte“, die besonders durch ihre Militanz auffällt. Unter anderem lief hinter der AfD der einschlägig bekannte Neonazi Michel Fischer mit, der mehrfach Kinder zusammen schlug und verurteilt wurde.

Mitglieder der Erfurter Neonazi-Gruppe „Kollektiv 56“ um Sascha Wühr, die vermutlich für einen Gewaltangriff am vergangenen Mittwoch auf der Krämerbrücke verantwortlich sind.
Und natürlich durfte auch die NPD nicht fehlen, deren Vertreter am letzten Mittwoch gleich ein eigenes Transparent mit sich führen konnten.

Begleitet wurden sie von landesweit angereisten Neonazis aus dem Organisationsteam des Thügida-Netzwerks, aus der Kameradschaftsszene mit ihren typischen schwarzen Fahnen mit weißer Frakturschrift und von extrem rechten Hooligans, die Jagd auf Gegendemonstrantinnen und Demonstranten machen konnten.

All das sind Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Aufmärsche. Die AfD nennt sie „besorgte Bürgerinnen und Bürger aus Thüringen“, den Aufzug eine „friedliche Demonstration“. Hier haben wir die Thüringer Variante der „Pegida“-Aufmärsche in Sachsen mit all ihren Begleiterscheinungen.
Es wundert nicht, dass Neonazis ihre Chancen sehen, ordentlich mitzumischen, wenn Höcke und die AfD die rassistische Stimmungsmache bedienen, die auch „Thügida“ seit Anfang des Jahres schürt. Und wo Neonazis mitmischen, da ist auch Gewalt, die aus dem extrem rechten Weltbild nicht wegzudenken ist.

Dies scheinen die Erfurter und Thüringer Behörden wohl nicht verstehen zu wollen oder zu können.
Nehmen wir als Beispiel das Verhalten der Erfurter Ordnungsbehörde, die schon beim ersten Aufzug ihre Unfähigkeit bewies. Wie sonst ist es zu bewerten, wenn statt der 50 angemeldeten Teilnehmer 1200 Personen, darunter hunderte Nazis, unbegleitet durch die Stadt laufen können?

Oder das polizeiliche Vorgehen an den letzten zwei Mittwochsaufmärschen: Obwohl mit einem weiteren Anwachsen der Teilnehmerzahl bei den AfD-Aufzügen zu rechnen war, gelang es der Polizei nicht, Gegendemonstrantinnen und Demonstranten ausreichend zu schützen. Die Folge waren Angriffe und Verletzte. Im Nachhinein verharmlost als kleinere Auseinandersetzungen.
Dass es ganz anders geht, hat die Polizei am letzten Samstag in Jena bewiesen, wo die Stadt einer Festung glich. Der Feind aber – das war klar – stand hier links. Während oben genannten Die Rechte-Kader Michel Fischer an der Demospitze hinter dem vorausfahrenden Wasserwerfer einer abging.

Die Gesamtverantwortung schließlich trägt der Innenminister, der seine Polizeibehörde und deren unsäglichen Einsatzkonzepte offenbar überhaupt nicht im Griff hat.

Hier mal ein Satz an die Thüringer Innenpolitikerinnen und -politiker: Den Verletzten hilft keine Aufarbeitung im Nachhinein. Denn diese bleibt erfahrungsgemäß bei anderen Gelegenheiten folgenlos. Oder reicht das Gedächtnis der Polizei etwa nicht bis zum 1.Mai zurück? Sind die Übergriffe in Saalfeld und Weimar durch politisch induzierte Demenz vergessen? Was hat uns deren Aufarbeitung gebracht? Auf der Straße praktisch nichts.

Für uns können die Konsequenzen besonders aus dem letzten Mittwoch daher nur heißen: Demonstrationskonzepte müssen immer auch Selbstschutzkonzepte sein. Bleiben wir standhaft bei dem Kampf gegen den widerlichen Rassismus, aber bleiben wir es gemeinsam. Bleibt zusammen, bildet Bezugsgruppen, bewegt euch nur in größeren Gruppen.

Für heute heißt dies: Um keine unnötigen Gefährdungen zu riskieren, werden wir gemeinsam zurück in die Innenstadt ziehen.

Wir möchten keine Angst schüren, wir möchten euch zur Vorsicht raten. Die Brandstifterreden eines Höcke und seiner Partei sind bei ihren Aufmärschen stets mit Neonazis, deren Gewalt und Bedrohung verbunden.

Passt auf euch und andere auf!

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Kundgebung gegen völkische Hetze am 23.9.2015 in Erfurt

Für Mittwoch, den 23.9.2015, ruft die rechtspopulistische AfD Thüringen um Björn Höcke zu einer rassistischen Demo in Erfurt auf.
Gegen den AFD-Aufmarsch wird es, Mittwoch ab 16:30 Uhr, eine Kundgebung des Infoladen Sabotnik unter dem Motto „Gegen völkische Hetze und Festung Europa!“ auf dem Erfurter Anger geben.

Aktuelle Informationen findet Ihr hier:

http://sabotnik.blogsport.de/2015/09/20/aufruf-nazis-morden-der-staat-schiebt-ab/

Bis Mittwoch auf der Straße!

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Rechte Hooligans kündigen Aufmarsch am 2. Mai in Erfurt ab Domplatz an

Die rechten Hooligans um den Veranstalter „Gemeinsam Stark Deutschland“ (GSD) wollen ihren mehrfach verschobenen Aufmarsch in Erfurt nun am 2. Mai offenbar am Domplatz durchführen. Das geht aus einem Video hervor, das der Verein am 26. April im Internet veröffentlicht hat. Damit führen die Hooligans die Stadt Erfurt und ihre Behörden ein weiteres Mal vor. Bereits im Vorfeld des ursprünglich für den 15. März geplanten Aufmarschs hatten sie die Route bekannt gegeben, während die Stadt Vertreter_innen der Zivilgesellschaft in Gesprächen noch in Ungewissheit gehalten hatte. Eine Sprecherin des Bündnisses „Platzverweis für rechte Hooligans“ kommentiert: „Es scheint, als habe die Stadt nichts aus den Erfahrungen im März gelernt, wenn sie sich in Schweigen hüllt, während die Hooligans und Neonazis einen Aufmarsch mit Live-Musik ab Domplatz ankündigen“.

Dabei bezieht sich schon das Motto „Hand in Hand, für unsere Kinder und unser Land!“ ganz unverblümt auf die rassistische Stimmungsmache gegen Flüchtlinge, für die NPD und Neonazis das angebliche Wohl der Kinder in Erfurt instrumentalisieren. Der Verein wirbt mit dem von Neonazi-Aufmärschen bekannten Slogan „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“ und unterstreicht seine politische Verortung auch mit der musikalischen Untermalung der Mobilisierungsvideos. So ist einmal das von einer extrem rechten Liedermacherin geträllerte Lied „Wenn der Wind sich dreht“ zu hören, ein anderes Mal liefert der extrem rechte Rapper „MaKss Damage“ alias Julian Fritsch mit seinem Song den Soundtrack. Das aktuelle Video verwendet das Lied „Hooligans gegen Salafisten“ der extrem rechten Hooligan-Band „Kategorie C“.

Damit findet nach dem von der NPD angekündigten Aufmarsch am 1. Mai gleich am folgenden Tag ein weiterer extrem rechter Aufzug in Erfurt statt. Wenn die Stadt den rechten Hooligans wirklich die von ihnen beantragte Route rund um den Petersberg genehmigt hat, wäre dies ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich seit Anfang des Jahres gegen die unerträgliche Hetze der Neonazis unter den Labeln Sügida und Thügida zur Wehr setzen. Dass die Soßrichtung dieselbe ist, wird schon durch die angekündigte Teilnahme der üblichen Thüringer Neonazis deutlich. Das Bündnis „Platzverweis für rechte Hooligans“ fordert alle Engagierten auf, sich den Neonazis und rechten Hooligans in Erfurt entgegen zu stellen. Nähere Details gibt es in den nächsten Tagen auf der Bündnis-Homepage „http://platzverweis.noblogs.org

Thügida – Schon wieder!

Am kommenden Montag, den 13.04.2015 will die rassistische Gruppierung
gewaltbereiter Neonazis namens „Thügida“ das dritte Mal in Folge in der
Nähe der Geflüchtetenunterkunft in der Ulan-Bator-Straße im Erfurter
Norden aufmarschieren.

Zum wiederholten Male wollen die extrem rechten Akteur_innen unter dem
Deckmantel einer angeblichen Bürgerlichkeit unverhohlen ihre rassistischen
und faschistischen Parolen verkünden, indem sie wieder einen Aufmarsch ab
19 Uhr angemeldet haben. Ulli Klein, Sprecherin der Antifaschistischen
Koordination Erfurt [ake] stellt dazu fest: „Die Thügida-Redner wie
David Köckert und seine Anhänger_innen äußern sich aus unserer Sicht
eindeutig rassistisch und volksverhetzend mit antisemitischen
Versatzstücken. Wir hoffen auf viele Gegendemonstrant_innen, die sich den
Nazis in den Weg stellen und sie zum Aufgeben zwingen.“

Die [ake] ruft erneut alle Bürger_innen und Antifaschist_innen auf, sich
diesem Treiben konsequent entgegen zu stellen. So wird es am 13.04.2015 ab
17.30 Uhr wieder eine Kundgebung vor der Geflüchtetenunterkunft in der
Ulan-Bator-Straße 76/77 geben, weitere Kundgebungen finden zeitgleich in
der Bukarester Straße/Moskauer Straße und in der Nordhäuser Straße/Ecke
Moskauer Straße statt.

Auch künftig gilt: Klare Kante gegen „Thügida“

Nach dem Ende der extrem rechten „Sügida“-Veranstaltungen in Suhl liegen im Erfurter Norden für die kommenden Montagabende Anmeldungen für Aufmärsche unter dem Label „Thügida“ vor.

Die Neonazis halten damit an ihrem rassistischem Aufmarsch vor der Flüchtlingsunterkunft in der Ulan-Bator Straße fest, den Antifaschist_innen am 23.03.2015 erfolgreich blockiert haben.
„Auch wenn die Organisatoren versuchen, ihre Aktion als Veranstaltung ‚besorgter Bürger‘ zu deklarieren, wird schon anhand der Teilnehmer_innen und Parolen klar, dass es sich um einen klassischen Aufmarsch der extremen Rechten handelt“, erklärt Ulli Klein, Sprecherin der Antifaschistischen Koordination Erfurt [ake]. Allein die Redner und ihre rassistischen und antisemitischen Äußerungen auf der Auftaktkundgebung von „Thügida“ hätten Grund genug sein sollen, diese Veranstaltung noch vor dem Aufmarsch zu beenden. „Dass ein extrem rechter Aufmarsch aber in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft gestattet wird, ist ein Schlag ins Gesicht der Engagierten vor Ort“, so Klein. Die [ake] ruft weiterhin zum Protest gegen „Thügida“ auf und fordert alle Bürger_innen und Antifaschist_innen auf, sich der rassistischen Mobilmachung auch an den kommenden Montagabenden entgegen zu stellen.

Die nächste Möglichkeit dafür bietet sich am 30.03.2015 um 17.30 Uhr bei der Gegenkundgebung in der Ulan-Bator-Straße 76/77.

Nach SÜGIDA kommt ThüGIDA – Auftakt in Erfurt am 23.03.2015

Der extrem rechte Südthüringer Ableger der bekannten PEGIDA-Bewegung „Sügida“ weitet seine rassistischen Aufmärsche landesweit aus. So sollen wöchentlich Kundgebungen und Aufmärsche in wechselnden Städten Thüringens stattfinden.

Am kommenden Montagabend wollen dabei Thüringer Neonazis vor einer Asylunterkunft in der Erfurter Ulan-Bator-Straße gegen eine angebliche „Überfremdung unserer Heimat“ hetzen. Angemeldet hat diese Kundgebung ein Erfurter Neonazi, der seit vielen Jahren an Aufmärschen der extrem Rechten beteiligt ist. Sascha Wühr war mit weiteren Neonazis unter anderem auf etlichen SÜGIDA Aufmärschen in Suhl anzutreffen.

Die Antifaschistische Koordination Erfurt [ake] hat am 23.03.2015 eine Gegenkundgebung um 17.30 Uhr in der Ulan-Bator-Straße 76/77 angemeldet und ruft auf, sich daran zu beteiligen! „Die menschenfeindliche Hetze von rechts hat in den letzten Monaten stark zugenommen und wird auch von Teilen der Bevölkerung mitgetragen. Wir müssen uns gemeinsam in Suhl, Erfurt und anderswo gegen diese rassistische Mobilmachung stellen. Wir fordern alle Bürger_innen und Antifaschist_innen auf, den Nazis nicht den Raum für ihre rechte Propaganda überlassen.“, so Ulli Klein, Sprecherin der [ake].

„PEgAdA“ in Erfurt: Verschwörungstheoretiker, Hooligans und Neonazis

Unter dem Titel „Endgame“ wurde aus dem Umfeld der Erfurter „Montagsmahnwache“ für Samstag  eine Kundgebung mit anschließenden Aufmarsch durch die Innenstadt angemeldet.

Seit ihrem Beginn war die „Mahnwache“ in Erfurt mit ihren teils wirren und geschichtsrevisionistischen Thesen attraktiv für Personen aus der extrem rechten Szene. Dies manifestiert sich unter anderem an der Verwendung des Wortes „Konzentrationslager“ für den Gaza-Streifen um Israel mit NS-Deutschland gleichzusetzen, der Bezeichnung „faschistische EU-Diktatur“ und der Rede von einer „nicht legitimen BRD-Regierung“, wie sie auch die extrem rechten „Reichsbürger“ verwenden, die noch immer an ein Deutschland in den Grenzen von 1937 festhalten.

Auch im Vorfeld der Kundgebung am 24.01.2015 taucht dieses Thema auf, wenn es in den Forderungen heißt „Für ein souveränes und neutrales Deutschland, Friedensverträge und Abzug der Besatzer!“ und „Für den Rücktritt der BRD Schandregierung! Für eine Verfassung für das deutsche Volk!“. So verwundert es nicht, dass bei der „Montagsmahnwache“ mit Jürgen Elsässer in Erfurt auch Neonazis zuhörten. Dazu gehörten u.a. eine Neonazistin mit einem T-Shirt der extrem rechten Partei „Der dritte Weg“ und der langjährig aktive und mehrfach vorbestrafte Martin Gärtlein, der u.a. wegen des gewalttätigen Überfalls auf Besucher_innen des Kunsthauses in Erfurt vor Gericht stand. Anders denkende Teile der Erfurter Montagsmahnwachen lösten sich daher vom Kreis um Mario Rönsch und Konstantin Stößel und demonstrierten gar gegen den Auftritt von Jürgen Elsässer im Mai 2014.

Mit der Transformation zu „Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes“ (PegAdA) bzw. „Endgame“ bewegt sich dieses Spektrum noch weiter auf offen auftretende Neonazis zu. Die krude Mischung an Forderungen, die in der Sprache klar rechts sind, sich aber im Inhalt scheinbar links geben, illustriert die Verbindung mit extrem rechten Strömungen wie dem „Dritten Weg“, die auf eine Verbindung von Nationalismus und völkischer Agitation in der sozialen Frage und im Antiimperialismus setzen. Historisch beziehen sich solche Strömungen auf den sogenannten Strasser-Flügel in der NSDAP und SA.

In der extrem rechten Szene haben die Organisatoren damit offenbar Erfolg, wie u.a. Aufrufe zur Kundgebung aus dem Umfeld der Rechtsrock-Band „Sonderkommando Dirlewanger“ (SKD) zeigt. Weitere Unterstützung erhalten „PegAdA“ und „Endgame“ aus der rechten Hooliganszene. Die Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten“ (HogeSa) begrüßt die Veranstaltung in Erfurt und spricht den Organisatoren ihre Solidarität aus. Dieser Schritt der HogeSa-Hooligans, die vor allem mit ihrem Aufmarsch und militanten Attacken im Oktober 2014 in Köln von sich Reden gemacht haben, kommt „PegAdA/Endgame“ sehr gelegen: „Wir (…)freuen uns über die aktive und ehrliche Unterstützung durch die HoGeSa“, heißt es auf der Veranstaltungsseite.

Die „Endgame“ Mobilisierung ist auch ein Versuch zur Rettung der Mahnwachenbewegung, indem an die durchaus wesensverwandten PEGIDA-Demonstrationen angeknüpft wird. Diese Strategie wurde wiederum bundesweit stark von Jürgen Elsässer vertreten, während andere Strömungen PEGIDA ablehnen. Bei den Mahnwachen stehen nicht Islamophobie und Rassismus im Vordergrund, sondern Antiamerikanismus, Geschichtsrevisionismus und kaum versteckter Antisemitismus. Die eingeladenen PEGIDA Aktivisten stehen auch in Dresden für genau diesen Kurs. Wenn es am Samstag wirklich zu der „Endgame“-Kundgebung mit anschließendem Aufmarsch kommen sollte, versammelt sich in Erfurt ein gefährliches Konglomerat aus offen auftretenden Neonazis, rechten Hooligans und antisemitischen Verschwörungstheoretikern.

Ein unerträglicher Zustand, gegen den sich ab 13.00 Uhr der Protest auf dem Bahnhofsvorplatz richtet.

(http://aaef.blogsport.eu/2015/01/20/aufruf-gegen-den-pegada-aufmarsch-in-erfurt/)

Rechte Hooligan-Demo in Erfurt angekündigt

Erfurt droht im März zum Anlaufpunkt von rechten Hooligans und Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet zu werden. Dies lässt die Ankündigung des neu gegründeten Vereins „Gemeinsam-Stark Deutschland“ befürchten, der am 15.03.2015 bundesweit zu einer Kundgebung in die Thüringer Landeshauptstadt mobilisiert. Der Verein mit Sitz in Nürnberg ist eine Abspaltung aus dem ehemaligen Führungsteam der „Hooligans gegen Salafisten“ und versteht sich selbst als Weiterentwicklung von HoGeSa und „PEGIDA“. Er wirbt u.a. mit dem Neonazi-Slogan „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“ für seine extrem rechten Ziele und betreibt unverhohlen Rassismus sowie Hass gegen den Islam und Andersdenkende. Nach den bisherigen gewalttätigen HoGeSa-Aufmärschen wie in Köln und Hannover will der Verein mit der geplanten Kundgebung in Erfurt seine Umtriebe nun auch in den „Osten der Republik“ ausweiten. Hierbei kann er fest auf die Erfurter Neonazi-Szene zählen, die eng mit Hooligans verbunden ist und deren Vertreter mit anderen Thüringer Neonazis bereits bei den zurückliegenden HoGeSa-Aufmärschen aktiv waren. Hier dürften auch die Verbindungen geknüpft worden sein, die zum Auftritt der Rechtsrockband „Kategorie C“ im Dezember 2014 in Erfurt führten.

Die Formation um den Neonazi Hannes Ostendorf gilt als Aushängeschild der rechten Hooligan-Szene und trat beim HoGeSa-Aufmarsch im Oktober 2014 in Köln als Anheizer auf. Während ihre Konzerte anderswo verboten werden, konnte die extrem rechte Band in der Kammwegklause auf dem Herrenberg auftreten, das Terrain sondieren und Kontakte intensivieren. Für die Antifaschistische Koordination Erfurt [ake] warnt Ulli Klein davor, die Entwicklung zu unterschätzen. „Sollte die Kundgebung am 15.03.2015 stattfinden, erwartet Erfurt ein Mob aus Neonazis, Rassisten und rechten Hooligans. Unter dem Deckmantel „Gegen Salafisten“ betreiben sie nationalistische Hetze und rassistische Mobilmachung, die den Brandstiftern das Feuerzeug reicht, um Brandsätze zu zünden“. Die [ake] fordert die Stadt Erfurt auf, schon jetzt rechtliche Schritte zu prüfen, auch die zivilgesellschaftlichen antifaschistischen Kräfte sollen sich bereits heute auf die mögliche Provokation im März vorbereiten.

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Anwohnerinformation über Daniel Madalschek

Am 9.12.2014 informierte die [ake] mit einer Flyeraktion die unmittelbare Nachbarschaft von Daniel Madalschek.

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