Archiv für den Monat April 2016

Erfurt: Zwei Neonaziaufmärsche in einer Woche

Anfang Mai wollen Neonazis in Erfurt gleich zwei Mal in acht Tagen aufmarschieren. Die antifaschistische koordination erfurt [ake] ruft zum Protest auf.

Von den drastisch angewachsenen Aktivitäten der Neonazis in Thüringen bleibt Erfurt auch in diesem Jahr nicht verschont. Bereits im Juli 2015 hatte der langjährig aktive und vorbestrafte Neonazi Michel Fischer für die Kleinpartei „Die Rechte“ einen Aufmarsch zum 1. Mai 2016 angemeldet, bei dem ein „nationaler Arbeiterkampftag“ gefeiert werden soll. Ursprünglich war Fischer von 150 Teilnehmern ausgegangen – nachdem die NPD ihren Aufmarsch am selben Tag in Erfurt abgesagt hat, dürften deutlich mehr Neonazis um 12.00 Uhr zum Erfurter Hauptbahnhof kommen. Auf der Rednerliste stehen neben Fischer neun weitere Neonazis aus sechs Bundesländern. Die als aggressiv geltende Partei „Die Rechte“ wurde 2012 gegründet, seit dem vergangenen Jahr gibt es einen Thüringer Landesverband mit Fischer als Landesorganisationsleiter. Zur Mobilisierung soll am Vorabend des 1. Mai ein extrem rechter „Liedermacher-Abend“ beim Neonazi-Verein „Volksgemeinschaft“ stattfinden (https://erfurtnazifrei.wordpress.com/2016/04/19/rechtsrockkonzert-auf-dem-herrenberg-am-30-04/). Am 8. Mai, dem Tag der Befreiung Deutschlands von NS-Faschismus, mobilisiert der Holocaustleugner-Dachverband „Europäische Aktion“ (EA) zu einem geschichtsrevisionistischen Aufmarsch mit dem Titel „Wir Feiern nicht! Kein Vergeben, kein Vergessen, alliierter Kriegsverbrechen!“ nach Erfurt. Die EA steht in der Nachfolge des 2008 verbotenen „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ und wurde von dem Holocaustleugner Bernhard Schaub gegründet, der am 8. Mai in Erfurt reden soll. Weitere Redner sind Axel Schlimper und Marcel Kretschmer von der EA in Thüringen und Sachsen-Anhalt, der sechsstündige geschichtsrevisionistische Aufmarsch soll um 12.00 Uhr am Anger beginnen. Der offene Rassismus und Antisemitismus der Europäischen Aktion zeigt sich besonders bei ihrem Thüringen-Chef Schlimper, der im vergangenen Jahr öffentlich sagte: „Ich bin Rassist. Ich bin Rassist, natürlich, was soll ich denn sonst sein“. Auch aus seinem verschwörungstheoretischen Antisemitismus macht er öffentlich keinen Hehl. Bei einem Thügida-Aufmarsch in Erfurt sagte der Neonazi über Kanzlerin Merkel: „Und wenn sie sagt, dass sie Schaden von ihrem Volk abhalten will, dann hat sie damit nicht das deutsche Volk gemeint. Sie hat nicht umsonst den israelischen Pass…“. Die antifaschistische koordination erfurt [ake] ruft zu einem breiten und lautstarken Protest gegen die Aufmärsche am 1. und 8. Mai auf. An die Adresse der Stadt Erfurt erklärte Ulli Klein für die [ake]: „Wir erinnern die Verwaltung an ihre Aussage aus dem März 2015, nachdem Neonazis in der Landeshauptstadt nicht vor Unterkünften für Asylsuchende und Flüchtlinge aufmarschieren dürfen“. Nachdem diese Zusage bereits am 1. Mai 2015 nicht eingehalten wurde, kann die Verwaltung jetzt zeigen, dass es ihr damit ernst ist.

Anlaufpunkte für den Protest sind am 1. Mai angemeldete Kundgebungen ab 10:00 Uhr auf der Südseite des Bahnhofs und ab 12:00 Uhr an der Stauffenbergalle 60. Am 8. Mai findet ab 9.00 Uhr eine Feiermeile mit Kundgebung am Angerdreieck statt, jeweils ab 10.00 Uhr sind Kundgebungen am Haus der sozialen Dienste und an der Neuen Synagoge angemeldet.

Advertisements

Rechtsrockkonzert auf dem Herrenberg am 30.04.

Am Vorabend des Neonazi-Aufmarschs zum 1. Mai veranstalten örtliche Neonazis um Enrico Biczysko erneut ein extrem rechtes Konzert in den Räumen des Vereins „Volksgemeinschaft“ auf dem Erfurter Herrenberg. Die angekündigten Bands weisen teils deutliche Bezüge zur militanten Neonazi-Szene auf. Die Rechtsrock-Band „Neubeginn“ mit Wurzeln in Sachsen war auf einem internationalen Sampler von dem in Deutschland verbotenen Netzwerk „Blood & Honour“ (B&H) ebenso vertreten wie auf einem Sampler von „Opos-Records“ aus Dresden, der mit dem Symbol der neonazistisch-rassistischen Vereinigung „Hammerskins“ versehen ist. Der militant auftretenden Partei „Der dritte Weg“ steht die Liedermacherin „Freya“ nah, die ebenfalls auf dem Herrenberg auftreten soll. Sie ist bereits im vergangenen Jahr bei einem extrem rechten „Liederabend“ in Ballstädt aufgetreten, der zur Geldbeschaffung für die dortige Neonazi-Immobilie diente. Dort war auch Maik K. aka „Freilich frei“ aus Zwickau zu Gast, der die Auftrittsliste der „Volksgemeinschaft“ komplettiert. Erst im vergangenen Jahr wurden 400 Exemplare seines Erstlings beschlagnahmt, weil er den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) verherrlicht haben soll.

Er kündigt das Konzert als „Privatveranstaltung“ an, zu der sich Besucher bei Enrico Biczysko anmelden sollen. Für die antifaschistische koordination erfurt [ake] erklärt Ulli Klein, „Spätestens als die Neonazis der „Volksgemeinschaft“ im Februar eine Bühne in ihren Räumen gezimmert haben, war klar, dass neben der Kammwegklause ein weiterer Treffpunkt mit Rechtsrock-Konzerten auf dem Herrenberg entstanden ist.“ Die [ake] hatte darauf bereits vor drei Monaten hingewiesen. https://erfurtnazifrei.wordpress.com/2016/01/21/neonazi-volksgemeinschaft-auf-dem-erfurter-herrenberg/ Seitdem fanden dort u.a.  eine Mitgliederversammlung der NPD Thüringen und eine „Rechtsschulung“ der Partei Die Rechte statt. Das angekündigte Rechtsrock-Konzert am Vorabend des 1. Mai soll Neonazis schon frühzeitig nach Erfurt locken – damit droht das Gebiet um die ehemalige Kaufhalle in der Stielerstraße eine No Go Area für nicht rechte Personen zu werden.

Getaggt mit , ,

Rechtsrock-Konzert auf dem Erfurter Herrenberg

Im September 2015 hatte die [ake] auf ein geplantes Rechtsrock-Konzert in der Neonazi-Kneipe „Kammwegklause“ im Erfurter Stadtteil Herrenberg aufmerksam gemacht. Angekündigt wurde der Auftritt der extrem rechten Band „Kategorie C“ aus Bremen, die schon im April 2015 in der Kammwegklause aufgetreten war. Nachdem das Konzert kurzfristig abgesagt wurde, folgt am Freitag, den 8.04.2016  der als „Ersatzkonzert“ von der Band angekündigte Auftritt auf dem Herrenberg. Analog zur Anmeldung aus dem vergangenen Jahr ist von rund 100 Teilnehmern und einem zeitraum zwischen 18.00 Uhr 1.00 Uhr auszugehen. “Kategorie C” aus Bremen ist mittlerweile eine der bundesweit bekanntesten Rechtsrock-Bands und trat im vergangenen Jahr mindestens drei Mal im Ausland bei Konzerten des in Deutschland verbotenen militanten Nazinetzwerks „Blood & Honour“ auf. Der Sänger Hannes Ostendorf war 1991 an einem Brandanschlag auf ein Bremer Flüchtlingsheim beteiligt. Rechtsrock dient nicht nur der Rekrutierung von Jugendlichen für die extreme Rechte, er ist auch der Soundtrack zu Mord und Totschlag. So erklärten nach dem Brandanschlag auf eine bewohnte Flüchtlingsunterkunft im niedersächsischen Salzhemmendorf die Verdächtigen, sie hätten sich vor der Tat mit Musik von „Kategorie C“ in Stimmung gebracht.

Wenn der Vermieter der Kammwegklause, Manfred Stein, sagt, er habe vor Ort „von Rechten überhaupt noch nie was gesehen“, sollte er gegen seine offensichtliche Blindheit auf dem rechten Auge dringend etwas unternehmen. Mit seiner Erklärung er sei froh, dass Gabriele Völker die Kammwegklause betreibe und er wolle „nicht den Ast abschneiden, auf dem ich drauf sitze“, macht sich Stein mit einer Neonazistin gemein, die mit ihrem Nazitreff dafür sorgt, dass auf dem Herrenberg eine temporäre No-Go-Area für nicht-rechte Personen entsteht.