„PEgAdA“ in Erfurt: Verschwörungstheoretiker, Hooligans und Neonazis

Unter dem Titel „Endgame“ wurde aus dem Umfeld der Erfurter „Montagsmahnwache“ für Samstag  eine Kundgebung mit anschließenden Aufmarsch durch die Innenstadt angemeldet.

Seit ihrem Beginn war die „Mahnwache“ in Erfurt mit ihren teils wirren und geschichtsrevisionistischen Thesen attraktiv für Personen aus der extrem rechten Szene. Dies manifestiert sich unter anderem an der Verwendung des Wortes „Konzentrationslager“ für den Gaza-Streifen um Israel mit NS-Deutschland gleichzusetzen, der Bezeichnung „faschistische EU-Diktatur“ und der Rede von einer „nicht legitimen BRD-Regierung“, wie sie auch die extrem rechten „Reichsbürger“ verwenden, die noch immer an ein Deutschland in den Grenzen von 1937 festhalten.

Auch im Vorfeld der Kundgebung am 24.01.2015 taucht dieses Thema auf, wenn es in den Forderungen heißt „Für ein souveränes und neutrales Deutschland, Friedensverträge und Abzug der Besatzer!“ und „Für den Rücktritt der BRD Schandregierung! Für eine Verfassung für das deutsche Volk!“. So verwundert es nicht, dass bei der „Montagsmahnwache“ mit Jürgen Elsässer in Erfurt auch Neonazis zuhörten. Dazu gehörten u.a. eine Neonazistin mit einem T-Shirt der extrem rechten Partei „Der dritte Weg“ und der langjährig aktive und mehrfach vorbestrafte Martin Gärtlein, der u.a. wegen des gewalttätigen Überfalls auf Besucher_innen des Kunsthauses in Erfurt vor Gericht stand. Anders denkende Teile der Erfurter Montagsmahnwachen lösten sich daher vom Kreis um Mario Rönsch und Konstantin Stößel und demonstrierten gar gegen den Auftritt von Jürgen Elsässer im Mai 2014.

Mit der Transformation zu „Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes“ (PegAdA) bzw. „Endgame“ bewegt sich dieses Spektrum noch weiter auf offen auftretende Neonazis zu. Die krude Mischung an Forderungen, die in der Sprache klar rechts sind, sich aber im Inhalt scheinbar links geben, illustriert die Verbindung mit extrem rechten Strömungen wie dem „Dritten Weg“, die auf eine Verbindung von Nationalismus und völkischer Agitation in der sozialen Frage und im Antiimperialismus setzen. Historisch beziehen sich solche Strömungen auf den sogenannten Strasser-Flügel in der NSDAP und SA.

In der extrem rechten Szene haben die Organisatoren damit offenbar Erfolg, wie u.a. Aufrufe zur Kundgebung aus dem Umfeld der Rechtsrock-Band „Sonderkommando Dirlewanger“ (SKD) zeigt. Weitere Unterstützung erhalten „PegAdA“ und „Endgame“ aus der rechten Hooliganszene. Die Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten“ (HogeSa) begrüßt die Veranstaltung in Erfurt und spricht den Organisatoren ihre Solidarität aus. Dieser Schritt der HogeSa-Hooligans, die vor allem mit ihrem Aufmarsch und militanten Attacken im Oktober 2014 in Köln von sich Reden gemacht haben, kommt „PegAdA/Endgame“ sehr gelegen: „Wir (…)freuen uns über die aktive und ehrliche Unterstützung durch die HoGeSa“, heißt es auf der Veranstaltungsseite.

Die „Endgame“ Mobilisierung ist auch ein Versuch zur Rettung der Mahnwachenbewegung, indem an die durchaus wesensverwandten PEGIDA-Demonstrationen angeknüpft wird. Diese Strategie wurde wiederum bundesweit stark von Jürgen Elsässer vertreten, während andere Strömungen PEGIDA ablehnen. Bei den Mahnwachen stehen nicht Islamophobie und Rassismus im Vordergrund, sondern Antiamerikanismus, Geschichtsrevisionismus und kaum versteckter Antisemitismus. Die eingeladenen PEGIDA Aktivisten stehen auch in Dresden für genau diesen Kurs. Wenn es am Samstag wirklich zu der „Endgame“-Kundgebung mit anschließendem Aufmarsch kommen sollte, versammelt sich in Erfurt ein gefährliches Konglomerat aus offen auftretenden Neonazis, rechten Hooligans und antisemitischen Verschwörungstheoretikern.

Ein unerträglicher Zustand, gegen den sich ab 13.00 Uhr der Protest auf dem Bahnhofsvorplatz richtet.

(http://aaef.blogsport.eu/2015/01/20/aufruf-gegen-den-pegada-aufmarsch-in-erfurt/)

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: