NPD-Direktkandidat Einrico Biczysko: Gewalttäter als Biedermann

In Anzug und Schlips bemüht sich Enrico Daniel Biczysko aus Erfurt bei seinen Auftritten für die NPD um ein vermeintlich seriöses Auftreten, erst im Mai 2014 hat er Frank Schwerdt als Mitglied des Erfurter Stadtrates für die NPD abgelöst. In den sozialen Netzwerken präsentiert der ehemalige Hooligan sein Führungszeugnis mit der Bemerkung „Keine Einträge“, dabei spricht schon sein Bundeszentralregisterauszug aus dem Jahr 2010 Bände, der im Prozess wegen des Überfalls auf eine alternative Schlauchboot-Tour in Erfurt vorgelegt worden war.

Demzufolge ist der heute 32-jährige allein zwischen März 1999 und November 2007 sieben Mal strafrechtlich in Erscheinung getreten. Dazu gehören Delikte wie das Erschleichen von Leistungen, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Körperverletzung bzw. gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung. Im Jahr 2005 wurde Biczysko zu einer Haftstrafe verurteilt. Doch an seine aktive Zeit bei der „Freien Kameradschaft Erfurt“ und der extrem rechten Hooligangruppe „Kategorie Erfurt“ (KEF) und deren zahlreichen Gewalttaten möchte der gelernte Maler heute ungern erinnert werden. Im Vorfeld der Kommunalwahl versuchte er gar über seinen Anwalt Roland Kleinhenz zu erreichen, dass er öffentlich weder „Neonazi“ noch „Neonazi-Funktionär“ genannt werden darf – erwartungsgemäß ohne Erfolg, denn schon Biczyskos Teilnahme an den einschlägigen Neonazi-Aufmärschen lässt keinen Zweifel an seiner Positionierung. U.a. trat er im Februar 2014 als Ordner bei einem Neonazi-Aufmarsch in Weimar auf, aus dem heraus der Polizeieinsatzleiter angegriffen wurde.

Der Abschlussbericht des Untersuchungsausschuss 5/2 im Thüringer Landtag zeigt nun neue Verstrickungen in die militante Neonazi-Szene auf. Der ehemalige NPD-Funktionär und VS-Spitzel Kai-Uwe Trinkaus sagte vor dem Ausschuss, Biczysko sei 2006 in die Planungen für einen Angriff auf das damalige „Besetzte Haus“ in Erfurt beteiligt gewesen. Die für das folgende Jahr geplante Attacke sollte Teil der Aktion „Erfurt is brown town“ sein, dafür wurden Kickboxen und Nahkampf mit Messern in dem extrem rechten „Sportverein Vorwärts“ trainiert. In dem Bericht heißt es: „Das ‚besetzte Haus‘ solle exemplarisch zerstört werden. Zur Not wolle man die Bude abfackeln, da es dort ja ohnehin schon öfter gebrannt habe“. Ein denkbar schlechter Leumund für den 32-jährigen NPD-Direktkandidaten im Wahlkreis Erfurt IV bei den bevorstehenden Landtagswahlen.

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