Archiv für den Monat August 2014

Nazi-Kleidungsmarke „Ansgar Aryan“ eröffnet Geschäft in Erfurt

Am kommenden Montag, den 1. September 2014, soll in Erfurt ein weiterer Laden für Nazi-Bekleidung eröffnen. Die Marke „Ansgar Aryan“ kündigt in den Räumen der Neonazikneipe Kammwegklause, Tungerstraße 1, ein eigenes Ladengeschäft an. Die „antifaschistische koordination erfurt“ [ake] fordert den Vermieter Manfred Stein erneut auf, den Mietvertrag umgehend zu kündigen. Auch die Stadt ist aufgefordert alle rechtlichen Schritte zu prüfen.

Die Sprecherin der „antifaschisitischen Koordination erfurt“ [ake], Ulli Klein, erklärt dazu: „Wer sich die Motive der Marke anschaut, erkennt schnell, dass es sich hierbei um extrem rechte Hass-Kleidung von und für Neonazis handelt. Mit der Eröffnung steht ein weiterer Schritt zur Verfestigung der Neonaziszene in Erfurt bevor.

Die Marke „Ansgar Aryan“ wurde 2008 im thüringischen Oberhof gegründet. Ihr Gründer Daniel Kilian ist mehrfach wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, dem Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen und dem Verstoß gegen das Waffengesetz vorbestraft. 2012 kam es zu einer Hausdurchsuchung seiner Wohn- und Geschäftsräume. Dabei wurden u.a. 178 Jacken mit verfassungsfeindlichen Symbolen und diverse Datenträger beschlagnahmt.

Inzwischen gehört „Ansgar Aryan“ dem bayrischen Neonazi-Aktivisten Patrick Schröder und ist in der Oberpfälzer Gemeinde Mantel beheimatet. Schröder gehört zu den umtriebigsten Nazi-Akteuren in Deutschland. Neben seinem braunen Versandhandel tritt er auch als Veranstalter und Redner bei Nazifestivals auf. Inzwischen versucht er sich als „hipper“ Verführer für junge Menschen. Über seine Modemarke aber auch Videochannels versucht er, insbesondere jungen Menschen eine neonazistische Erlebniswelt zu eröffnen und somit den ersten Schritt in die Neonaziszene zu erleichtern.

Ulli Klein erläutert: „Gerade erst kauften Neonazis in Eisenach ein Haus. Der Verfassungsschutz wußte davon – und tat nichts. In Erfurt wird die Kammwegklause mit dem ersten Ansgar Aryan Geschäft weiter zum Neonazizentrum ausgebaut. Auch hier hat das angebliche Vorwarnsystem Geheimdienst versagt. Eine Warnung vor der Neueröffnung des Ladens an die Stadt erfolgte offenbar nicht. Entweder nichts gewußt, oder nichts getan. Unter den untätigen Augen der thüringischen Sicherheitsbehörden festigt sich die Neonaziszene. Aber auch die Landeshauptstadt hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Wortreiche Erklärungen durch den Oberbürgermeister und seinen Ordnungsdezernenten reichen nicht aus. Die Stadt muss endlich selbst und aktiv gegen rechte Treffpunkte und Läden vorgehen und die Verantwortung nicht an die Zivilgesellschaft weg zu delegieren.“

Getaggt mit , , , ,

NPD-Direktkandidat Einrico Biczysko: Gewalttäter als Biedermann

In Anzug und Schlips bemüht sich Enrico Daniel Biczysko aus Erfurt bei seinen Auftritten für die NPD um ein vermeintlich seriöses Auftreten, erst im Mai 2014 hat er Frank Schwerdt als Mitglied des Erfurter Stadtrates für die NPD abgelöst. In den sozialen Netzwerken präsentiert der ehemalige Hooligan sein Führungszeugnis mit der Bemerkung „Keine Einträge“, dabei spricht schon sein Bundeszentralregisterauszug aus dem Jahr 2010 Bände, der im Prozess wegen des Überfalls auf eine alternative Schlauchboot-Tour in Erfurt vorgelegt worden war.

Demzufolge ist der heute 32-jährige allein zwischen März 1999 und November 2007 sieben Mal strafrechtlich in Erscheinung getreten. Dazu gehören Delikte wie das Erschleichen von Leistungen, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Körperverletzung bzw. gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung. Im Jahr 2005 wurde Biczysko zu einer Haftstrafe verurteilt. Doch an seine aktive Zeit bei der „Freien Kameradschaft Erfurt“ und der extrem rechten Hooligangruppe „Kategorie Erfurt“ (KEF) und deren zahlreichen Gewalttaten möchte der gelernte Maler heute ungern erinnert werden. Im Vorfeld der Kommunalwahl versuchte er gar über seinen Anwalt Roland Kleinhenz zu erreichen, dass er öffentlich weder „Neonazi“ noch „Neonazi-Funktionär“ genannt werden darf – erwartungsgemäß ohne Erfolg, denn schon Biczyskos Teilnahme an den einschlägigen Neonazi-Aufmärschen lässt keinen Zweifel an seiner Positionierung. U.a. trat er im Februar 2014 als Ordner bei einem Neonazi-Aufmarsch in Weimar auf, aus dem heraus der Polizeieinsatzleiter angegriffen wurde.

Der Abschlussbericht des Untersuchungsausschuss 5/2 im Thüringer Landtag zeigt nun neue Verstrickungen in die militante Neonazi-Szene auf. Der ehemalige NPD-Funktionär und VS-Spitzel Kai-Uwe Trinkaus sagte vor dem Ausschuss, Biczysko sei 2006 in die Planungen für einen Angriff auf das damalige „Besetzte Haus“ in Erfurt beteiligt gewesen. Die für das folgende Jahr geplante Attacke sollte Teil der Aktion „Erfurt is brown town“ sein, dafür wurden Kickboxen und Nahkampf mit Messern in dem extrem rechten „Sportverein Vorwärts“ trainiert. In dem Bericht heißt es: „Das ‚besetzte Haus‘ solle exemplarisch zerstört werden. Zur Not wolle man die Bude abfackeln, da es dort ja ohnehin schon öfter gebrannt habe“. Ein denkbar schlechter Leumund für den 32-jährigen NPD-Direktkandidaten im Wahlkreis Erfurt IV bei den bevorstehenden Landtagswahlen.