Vortrag: 40 Jahre Radikalenerlaß & Berufsverbote

Vor 40 Jahren, am 28. Januar 1972, beschloss die Ministerpräsidentenkonferenz unter dem Vorsitz von Bundeskanzler Willy Brandt den sogenannten „Radikalenerlass“. Zur Abwehr angeblicher Verfassungsfeinde sollten „ Personen, die nicht die Gewähr bieten, jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzutreten“, aus dem öffentlichen Dienst ferngehalten bzw. entlassen werden. Mithilfe der „Regelanfrage“ wurden etwa 3,5 Millionen Bewerberinnen und Bewerber vom „Verfassungsschutz“ auf ihre politische „Zuverlässigkeit“ durchleuchtet. In der Folge kam es zu 11 000 offiziellen Berufsverbotsverfahren, 2 200 Disziplinarverfahren, 1 250 Ablehnungen von Bewerbungen und 265 Entlassungen.

Der Vortrag an der FSU beleuchtet den Radikalenerlass und seine politisch-sozialen Implikationen sowie über ungebrochene Kontinuitätslinien staatlicher politischer Repression. Dabei soll aufgezeigt werden, dass die Berufsverbotspraxis keinesfalls eine einzelne Überreaktion war, sondern sich in Zusammenhänge einreiht, die das vergangene Jahrhundert durchziehen und auch heute noch, selbst nach dem Csaszkóczy-Urteil, wirkmächtig sind.

Wann: 20.06.2012 / 19-21 Uhr

Wo: Jena / SR 307 (FSU-Campus) – CZS 3

Referent: Georg Fülberth

Veranstaltet vom AK Politische Bildung des FSU-StuRa und den GEW-Studies Jena

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: