Keine rechtsextreme Schulungsstätte in Guthmannshausen

Liebe Menschen,

Ende September wurde bekannt, dass das ehemalige Rittergut den Besitzer gewechselt hat. Das Thüringer Liegenschaftsmanagement hatte das schon mehrere Jahre leerstehende und zuvor als Fortbildungsstätte des Landwirtschaftministerium genutzte Haus für 320.000 € an Frau Bettina Maria Wild-Binsteiner verkauft.

Doch wie es aussieht, hat Frau Wild-Binsteiner das Rittergut nicht für sich erworben, sondern ist nur die Mittelsfrau für einen Verein, der nun in Guthmannshausen sein neues „Vereinsheim“ eröffnen will. Dieser Verein, der das Rittergut als seine „neue Heimstatt“ bezeichnet, nennt sich „Gedächtnisstätten e.V.“ Er wurde 1992 im ostwestfälischen Vlotho gegründet und hat nach seiner Satzung das Ziel, eine Gedächtnisstätte für die „vergessenen Opfer“ des 2. Weltkriegs zu erwirken.

Für den Verein sind die Opfer die angeblich 12 Millionen Deutschen Toten, die durch „Bomben, Verschleppung, Vertreibung und Gefangenlager“ ums Leben gekommen sind. Für die Menschen anderer Nationalität oder die ermordeten Sinti und Roma und Juden, die dem deutschen Faschismus zum Opfer fielen, wird in der angestrebten Gedächtnisstätte kein Platz sein. Diese Geschichtsrevisionistischen Positionen des Vereins sind für die rechtsextreme Szene ein zentraler Identifikationspunkt. Dies wird auch daran deutlich, dass Wolfram Schiedewitz, der Vorsitzende des Vereins, am 19. Februar auf Seiten des jährlich in Dresden stattfindenden und mittlerweile größten Naziaufmarsches sprach. Als Anlass hierfür diente die so genannte Erinnerung an die Bombardierung der Stadt.

Am 23.11.2011 hat die Bundesregierung erklärt, dass es personelle Verbindungen zwischen dem „Gedächtnisstätten e.V.“ und des „Collegium Humanum“ gibt. Das „Collegium Humanum“ wurde 2008 vom damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble wegen „antisemitische[r] Propaganda und Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ verboten.

Bis heute konstatiert die Bundesregierung, dass diese Vereinigung „den Nationalsozialismus als vorbildhaft darzustellen versuchte und den Holocaust leugnete“. Eine zentrale Figur in der Verbindung der beiden Sammelstätten der geschichtsrevisonistischen Bewegung ist Ursula Haverbeck-Wetzel.

Deutlich wurde dies gleich zur Eröffnungsveranstaltung der neuen „Heimstätte“ des „Gedächtnisstätten e.V.“ in Guthmannshausen am 17.09.2011, wo Ursula Haverbeck-Wetzel als eine der Hauptrednerinnen auftrat. Bei ihr handelt es sich einerseits um die Gründerin des Vereins und gleichzeitig die ehemalige Vorsitzende des „Collegium Humanums“. Haverbeck-Wetzel gilt darüber hinaus als eine der Gallionsfiguren der deutschen Holocaustleugner_innen. So wurde sie schon mehrfach rechtskräftig wegen Volksverhetzung und Holocaustleugung verurteilt. Solch eine Veranstaltung blieb nicht die Ausnahme. So wurde kürzlich bekannt, dass die als neofaschistisch einzuschätzende und aus dem „Bund der Vertriebenen (BDV)“ ausgeschlossene „Schlesische Jugend (SJ)“ im „Vereinsheim“ eine Feier zur Wintersonnenwende plane.

Der Umzug des „Gedächtnisstätten e.V.“ nach Thüringen war nötig gewesen, da bei ihren früheren Vereinsheim in Borna (Sachsen) der öffentliche Druck durch Bürgerinnen und Bürger zu groß geworden war, auch standen sie dort unter genauer Überwachung durch den Verfassungsschutz und die Polizei.

Aus den dargestellten Gründen fordern wir die Schließung des so genannten „Vereinsheims“ in Guthmannshausen. Geschichtsrevisionismus, Holocaustleugnung und der darüber hinaus reichenden Vermittlung menschenverachtender Werte darf kein Platz eingeräumt werden.

Bei Nachfragen über die geschilderte Thematik oder unsere Forderungen wenden Sie sich bitte an die Mailadresse ak-erfurt@riseup.net oder nutzen Sie unser anonymes Kontaktformular.

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