Archiv für den Monat November 2011

Veranstaltungsreihe zur Kritik des Antisemitismus 23.11. und 7.12. 2011

In Erfurt und in aller Welt: Verbreitung und Bekämpfung der “Protokolle der Weisen von Zion” Veranstaltungsreihe zur Kritik des Antisemitismus 23.11. und 7.12. 2011, 19.30 Uhr Erfurt, Kleine Synagoge

Die „Protokolle der Weisen von Zion“ regen bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Fantasie der antisemitischen Verschwörungstheoretikerinnen an. Entstanden unter nicht vollends geklärten Umständen diente das Buch dem Antisemitismus, indem es Belege für eine jüdische Weltverschwörung erfand. Schon in den 1920er Jahren wurde akribisch gezeigt, dass es sich bei dem Machwerk um eine Fälschung handelt. Weil sich moderner Antisemitismus aber nicht aus den Tun von Jüdinnen und Juden speist, sondern aus dem Wunsch der Antisemitinnen, eine Erklärung für die Verwerfungen und Zumutungen von Kapitalismus und bürgerlichem Staat zu finden, reichen Vernunft und Verstand eben nicht aus, ihn zu erledigen: Noch heute beziehen sich Verschwörungstheoretiker_innen in aller Welt auf die „Protokolle“, um ihre kruden Vorstellungen von einer jüdisch gesteuerten „Neuen Weltordnung“ zu belegen.

Damit kann die Schrift wohl als die wirksamste Propagandawaffe des Antisemitismus bezeichnet werden. Einer der Ersten, die sich kritisch der Protokolle annahmen, war der aus Galizien stammende jüdische Journalist Binjamin Segel. Schon bald nach ihrem Erscheinen in Deutschland untersuchte er ab 1920 Entstehungsgeschichte und Weiterverbreitung des Werkes und wies nach, dass es sich an vielen Stellen um ein Plagiat einer 1864 publizierten Schrift aus Frankreich handelt.

Aber schon Segel musste erkennen, dass die Wirksamkeit von Aufklärung gegen Antisemitismus Grenzen hat: „Zahllose Bücher sind doch schon gegen derartige albernen Lügen geschrieben worden, und doch tauchen die Lügen immer wieder in veränderter Gestalt von neuem auf.“ Einer derjenigen, die dafür gesorgt haben, dass die Lügen immer wie- der neu auftauchen, war der Erfurter Verleger Ulrich Fleischhauer. Man kann ihn durchaus als zentrale Figur in einem international agieren- den antisemitischen Netzwerk bezeichnen. Er vertrieb in seinem U. Bodung-Verlag zahlreiche antisemitische Bücher und gründete 1933 eine Art Presseagentur, die mit dem regelmäßig erscheinenden „Welt-Dienst“ Antisemitinnen in zahlreichen Ländern mit Material versorgte.

Für Aufsehen sorgte seine Rolle im Berner Prozess, bei dem Ulrich Fleischhauer 1933-1935 vergeblich versucht hatte, die Echtheit der „Protokolle“ zu beweisen. Ende der Dreißiger Jahre übernahm schließlich Alfred Rosenberg den „WeltDienst“ und verlegte den Sitz der Agentur nach Frankfurt a.M.. Bis heute ist unklar, wie man Antise- mitismus wirksam entgegentreten kann. Dass man ihm entgegentreten muss, ist klar. Und auch wenn sich ein wahnhaftes Weltbild u.U. gegen eine Widerlegung mit den Mitteln der Vernunft sperrt, so muss zumindest ein Teil des Engagements gegen Antisemitismus die Aufklärung über die Lügen und das Weltbild des Antisemitismus sein, wie sie die Veranstaltungsreihe leisten will. Franziska Krah spricht am 23.11. über die Anstrengungen von Binjamin Segel, mit den Waffen der Aufklärung gegen den Antisemitismus vorzugehen. Eckart Schörle spricht am 7.12.2011 zum Thema „Von Erfurt in alle Welt. Die antisemtische Propagandazentrale »Welt-Dienst«“ Beide Veranstaltungen finden um 19.30 in der Kleinen Synagoge (An der Stadtmünze, Erfurt) statt. Die Reihe ist eine Kooperation vom Bildungskollektiv Biko und dem DGB-Bildungswerk Thüringen mit Unterstützung der Rosa- Luxemburg-Stiftung und der Antifaschistischen Koordination Erfurt [AKE].

Flyer downloaden

Advertisements