Redebeitrag zu Nazi- und Militarialäden in Erfurt – Kampagne „Nazis matt setzen“ der AG 17

Ausgerechnet seit dem 9. November 2007 wird am Anger, mitten in der Erfurter Innenstadt, der „Trend Army Shop“ betrieben. Wie der Name schon sagt, geht es hier um Armeen, Waffen, Flecktarn-Kleidung, Panzermodelle und deutsche Fahnen aus unterschiedlichen Zeiten – das alles ist der Großteil des Angebotes. Militaria aller Art also.

Und damit kommen wir gleich zum zweiten Teil des Namens, den „Trend“. Solche Militaria prägen zunehmend das Erfurter Stadtbild. Von peinlichen Erscheinungen, die komplett in grauem Flecktarn herumlaufen, bis hin zur modischen Mischung aus pseudo Militärkleidung, Thor Steinar und Nike. Beides kann man schön oder hässlich finden. Das ist aber nicht das Problem. Wenn man davon ausgeht, dass Menschen etwas mit ihrer Kleidung aussagen wollen, müssen wir fragen: Warum tragen Leute militaristische Kleidung? Was wollen sie damit sagen? Ging es im Punkrock noch um eine gezielte Provokation und Kriegserklärung an die bürgerliche Gesellschaft durch die Verwendung von militaristischen Symbolen und Militaria, so stellt sich die Situation heute ganz anders dar. Inzwischen tragen alle Flecktarn. Das bedeutet entweder: „Alle gegen Alle“ – alle wollen sich als besonders aggressiv zeigen oder es hat eine Militarisierung des Alltags stattgefunden oder aber die Symbolik hat sich verschoben.

Alle drei Vermutungen haben etwas für sich, auch wenn sie das gesamte Phänomen nicht erklären.
Inzwischen wird Flecktarn nicht mehr als Provokation gegen Spießertum und Konformität getragen, sondern als Zeichen der Übereinstimmung mit der Gesellschaft und einer Normalisierung von Gewalt. Alle verstehen sich als tough, fit und Allzeit bereit. Die Präsenz militaristischer Ästhetik im Stadtbild ist normal geworden. Die Normalisierung geht soweit, dass der Ursprungskontext von Camouflage in Vergessenheit geraten ist – niemand
wundert sich über einen Eastpack Rucksack oder einer Flecktarnhose in Rosa oder irgendwelche seltsame Aufdrucke auf T-Shirts, die Begriffe wie Front, Brigade, Commando oder ähnliches beinhalten. Was bleibt ist die Vermutung das es vielleicht weniger um Provokation als um das Anzeigen der eigenen Wehrhaftigkeit und Aggressivität gehen könnte. Zumindest legt dies das Verhalten vieler Militaria Freundinnen und Freunde nahe.

Und hier kommen wir zum Kern des Problems: Die hier zur Schau getragene Ästhetik ist in vielen Punkten ohne Abstriche an den Dresscode und die Sicht vieler Nazis anschlussfähig. Etwas verkürzt schreit einem täglich dieser Kleidungsstil eine Kampfansage entgegen: Du bist mein Feind oder könntest es zumindest schnell werden. Von gemeinsamen solidarischen Miteinander keine Spur. Sicher sind nicht alle, die Flecktarn tragen,
gewaltbereite Schlägertypen. Aber die Normalisierung dieses Kleidungsstils kann zumindest als ein Hinweis auf eine Veränderung in der Wahrnehmung der Welt betrachtet werden. Und mit dieser Normalisierung geht auch eine Offenheit gegenüber einer rechten Weltsicht einher.

Allein in Erfurt gibt es drei Läden, die ihr Geschäft mit dieser Ware machen. Diese Läden sind mal eindeutig Geschäfte der Neonazi-Szene – wie zum Beispiel der „Top Fuel-Store“ in der Magdeburger Allee, mal eher aus dem Spektrum gewaltbereiter Hooligans, wie „The Firm“ an der Langen Brücke oder mal etwas plump, wie der „Trend Army Shop“.

Allen gemeinsam ist aber: Sie bilden in die Orte für eine rechte Subkultur, sie tragen zur Normalisierung einer Militarisierung der Ästhetik bei und sind Treffpunkte und Versorgungsstation für rechte Schläger. Solche Läden sind wichtige Kristallisationspunkte der rechten Subkultur – und das nicht nur in Erfurt, sondern in vielen Städten. Die  Schließung solcher Läden würde zwar das Naziproblem nicht beseitigen, wäre aber ein effektiver
Schritt, um dieser Szene einen Teil ihrer Öffentlichkeit zu nehmen, ihre Anlaufpunkte zu beseitigen und würde das florierende Geschäft mit Nazi-Accessoires beenden. Denn der Verkauf von Militaria, Neonazi-Klamotten und Waffen hat sich zum einträglichen Geschäft entwickelt und versorgt zahlreiche langediente Aktivisten der Neonazi-Szene mit Jobs und Geld.

Ladenschluss jetzt!

 

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