Erfolgreicher Auftakt zur Kampagne „Nazis matt setzen!“ am 6. Juni – Neonazistische Störungen beim antifaschistischen Stadtrundgang von der Polizei nur schwer unter Kontrolle

Erfolgreicher Auftakt zur Kampagne „Nazis matt setzen!“ am 6. Juni –
Neonazistische Störungen beim antifaschistischen Stadtrundgang von der Polizei nur schwer unter Kontrolle

Am 06.06. fand in Erfurt als Auftakt der Kampagne: „Nazis matten setzen!“ statt. Dem Aufruf der Emanzipatorischen Jugend Erfurt, unterstützt von der Antifaschistischen Koordination Erfurt, zu einem Stadtrundgang „zu den Orten faschistischen Wirkens“ folgten 130 TeilnehmerInnen.

Vom Bahnhof aus ging es quer durch die Innenstadt zu mehreren Stationen, an denen über die Naziszene, ihr Auftreten in der Öffentlichkeit und ihr Ziele informiert wurde. Dabei wurden an PassantInnen Flyer und die Broschüre „Alerta“ verteilt, welche großen Zuspruch fanden. Ziel des Stadtrundgangs war es, auf die subtilen Strategien der Nazis hinzuweisen, mit denen diese eine rechte Normalität in der bürgerlichen Öffentlichkeit etablieren. Teils soll dies durch Informationsstände der NPD und Gründungen scheinbar harmloser Vereine wie z.B. „pro-kid e.V.“ oder „Schöner leben in Erfurt“ geschehen. Teils geht es den Nazis um Infiltration von Jugendsubkulturen und  kommerzielle Vermarktung von Nazi-Mode wie „Thor Steinar“ und „H8tecore“. Aus diesem Grunde machte der Rundgang auch an zwei Bekleidungsgeschäften Station, die u.a. „Thor Steinar“(„The Firm“ auf der Langen Brücke) und Naziutensilien („trend-army shop“ am Anger beim tegut) verkaufen. „Den Auftakt unserer Kampagne können wir als vollen Erfolg werten.“ So Uli Klein, Sprecherin der Emanzipatorischen Jugend Erfurt (EJE). „Gemeinsam mit der „Antifaschistischen Koordination Erfurt“ [AKE] ist es uns gelungen, BürgerInnen über das Treiben der neonazistischen Erfurter Szene in der Mitte der Gesellschaft zu informieren.“, so Uli Klein weiter.

Schon vor Beginn der Veranstaltung erschienen Nazis am Auftaktort. Außerdem bepöbelten rechte Hooligans der Hooligan-Vereinigungen „Inferno Windisch“ und „Kategorie Erfurt“ linke Jugendliche. Ungeachtet dessen sah sich die unterpräsentierte Polizei nicht veranlasst, weitere Kräfte heranzuziehen. Ein Sammelsurium aus ca. 50 Nazi-Hooligans, sogenannten „Autonomen Nationalisten“ und anderen gewaltbereiten Nazis aus Erfurt, Arnstadt und Südthüringen tauchte immer wieder in der Nähe des Veranstaltungszuges auf und provozierte. Namentlich wurden Nazis wie Patrick Wiedorn (Arnstadt), Heiko Zeidler (Erfurt), Martin Lucas Maciejewskie (Erfurt), Konrad Förster (NPD Erfurt) sowie Stefan Kolb (Leitfigur der „Freien Kräfte Südthüringen“) gesichtet. Traurige Höhepunkte waren zum einen das Eindringen von ca. 10 Südthüringer Nazis in das „Offene Jugendbüro RedRoXX“ der LINKEN Landtagsabgeordneten Susanne Hennig und Matthias Bärwolff in der Pilse, ohne dass die Polizei sich genötigt sah, einzuschreiten. Durch das entschlossene Handeln mehrerer engagierter Antifas sahen sich die Nazis gezwungen, das Büro zu verlassen. Nazis haben dort generelles Hausverbot, da es schon wiederholt zu Angriffen kam. Zum anderen gab es einen Blockadeversuch von ca. 50 Nazis vor dem Bekleidungsgeschäft „the Firm“ auf der Langen Brücke. Darüber hinaus wurden VeranstaltungsteilnehmerInnen von Nazis angegriffen. Die Polizei, mit wenigen Kräften vor Ort, hatte Mühe, die Nazis von den VeranstaltungsteilnehmerInnen fernzuhalten.

Uli Klein, Sprecherin der EJE erklärte zum Polizeieinsatz: „Der Abend des 6. Juni machte wieder einmal deutlich, dass es seitens der Polizei eine gravierende Fehleinschätzung des rechten Gewalt- und Mobilisierungspotentials gibt.“ Es war deutlich zu erkennen, dass die Polizei weder fähig noch willens ist eine angemeldete antifaschistische Demonstration zu schützen. Anstatt gegen die rechten Störer konsequent vorzugehen, wurde auf den schnellen Abschluss der Demonstration gedrängt. Es ist genau dieses Verständnis der Polizei, das es den Rechten immer wieder ermöglicht, durch Einschüchterungsversuche politisch Unbequeme aus der Öffentlichkeit zu verdrängen. „Die Störungsversuche der Nazis haben nachdrücklich gezeigt, dass es Zeit ist, diesem faschistischen Treiben entschlossen entgegen zu treten!“ so Uli Klein weiter.

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